• Au­dio-Vi­si­on 2016

    Das Grü­ne Dach Eu­ro­pas

  • Au­tor

    Berndt Fi­scher

  • Ort

    Füür­wehr­saal

  • Ter­min

    Frei­tag, 6. Mai 2016 19:00–21:00 Uhr

Das Grü­ne Dach Eu­ro­pas
Wald­wel­ten zwi­schen Ost und West

Mul­ti­vi­si­on mit Live-Kom­men­tar von Berndt Fi­scher

Was treibt vie­le Men­schen dazu, weit in die Fer­ne zu rei­sen? Oft su­chen sie in der äu­ße­ren Frem­de nur das Frem­de in sich. Berndt Fi­scher dreht den Spieß um: er sucht das Frem­de im Ver­trau­ten sei­ner Hei­mat. Seit sei­ner Kind­heit ist er dem Grenz­ge­bir­ge, das Bay­ern und Ös­ter­reich von Tsche­chi­en trennt, be­geg­net, zu­nächst als Wan­de­rer, dann als Na­tur­lieb­ha­ber und schließ­lich als Fo­to­graf und Buch­au­tor.

Der Böh­mer­wald war in der Vor­ge­schich­te eine fast un­über­wind­li­che Bar­rie­re aus Ur­wäl­dern und Berg­käm­men, dann eine Gren­ze von Kai­ser- und Kö­nig­rei­chen, spä­ter eine über­schreit­ba­re Gren­ze von Na­tio­nal­staa­ten und schließ­lich der er­neut un­über­wind­li­che Ei­ser­ne Vor­hang.

Heu­te er­schei­nen die­se Hö­hen­zü­ge auf den ers­ten Blick als eher be­schei­de­ne Wald­ber­ge, die es aber in sich ha­ben. Im ehe­ma­li­gen Nie­mands­land zwi­schen West und Ost ent­stan­den zwei Na­tio­nal­parks und zahl­rei­che Na­tur­schutz­ge­bie­te. Aus dem mi­li­ta­ri­sier­ten und ent­völ­ker­ten Are­al wur­de ein un­ge­ahn­tes Rück­zugs­ge­biet für die Na­tur: wir fin­den drei ver­schie­de­ne Ad­ler­ar­ten, Tei­che vol­ler blau­er Frö­sche, un­be­rühr­te Moo­re und Sümp­fe, Berg­bä­che und mä­an­drie­ren­de Flüs­se, schier end­lo­se Wäl­der mit Ur­wald­re­lik­ten, heim­li­che Wald­be­woh­ner wie Schwarz­storch, Au­er­hahn, Luchs und Elch.

Vom Ur­ge­bir­ge zwi­schen Do­nau und Mol­dau ist seit dem Erd­al­ter­tum nicht viel üb­rig ge­blie­ben. In Jahr­mil­lio­nen wur­de es auf die Di­men­sio­nen ei­nes Mit­tel­ge­bir­ges ab­ge­tra­gen, aber ein­zig­ar­ti­ge For­ma­tio­nen aus Gneis und Gra­nit zeu­gen heu­te noch von der Dra­ma­tik der Erd­ge­schich­te.

In der Mul­ti­vi­si­on wird das fremd­ar­tig An­mu­ten­de, der wil­de Kern die­ser nach au­ßen hin so harm­los er­schei­nen­den Mit­tel­ge­birgs­land­schaft, sicht­bar ge­macht: hier gibt es noch den rau­en Win­ter auf Ber­gen, in de­nen der sprich­wört­li­che böh­mi­sche Wind wohnt, und den blü­ten­rei­chen Früh­ling mit sei­ner fun­keln­den Ma­kro­welt von In­sek­ten, Spin­nen und Schlan­gen, das ge­heim­nis­vol­le Le­ben der „Nacht­wand­ler“, die Rück­kehr der Groß­tie­re, die als Grenz­gän­ger den Weg über die ehe­ma­li­ge To­des­gren­ze ge­fun­den ha­ben.

Wir er­le­ben eine ar­chai­sche Land­schaft vol­ler poe­ti­scher Stim­mun­gen, in der die Re­lik­te ei­ner leid­vol­len Ge­schich­te nur als stum­me Zeu­gen über­lebt ha­ben.

Wie kaum ein an­de­rer Fo­to­graf hat Berndt Fi­scher das Le­ben auf dem Grü­nen Dach in ein­fühl­sa­men Bil­dern fest­ge­hal­ten und mit Mu­sik ver­wo­ben. In sei­nem Li­ve­kom­men­tar be­rich­tet er auf span­nen­de und hu­mor­vol­le Art von frü­her und heu­te, von hü­ben und drü­ben und von den zahl­lo­sen Be­geg­nun­gen mit den tie­ri­schen Haupt­dar­stel­lern.

Berndt Fi­scher

Fischer_Berndt